»Die Natur braucht ca. 1000 Jahre, bis sich aus den moorigen Schichten absterbender Pflanzenreste eine Torfschicht von einem Meter Höhe bildet. Diese mathematisch-künstlerische Gleichung »1 Meter Torf = 1000 Jahre« macht sich Karl Weibl in seinen Arbeiten zu nutze. In dem Objekt Zeitgeschehen setzt er einen Torfwürfel, eingefasst in hölzerne Stützwände, in die freie Natur. Wird das Gehäuse entfernt, verändert sich die künstliche Würfelform. Der Torf, aus seiner natürlichen Umgebung extrahiert und in ein Kunstobjekt verwandelt, kehrt zurück zu seiner amorphen Form, zum Usprünglich-Lebendigen des ewigen Kreislaufs der Natur. Die Natur wird zur Ausführenden, der Verfall zur Schöpfung, die Vergänglichkeit zum kreativen Akt, der in der Zerstörung des vom Menschen gesetzten Torfkubus kulminiert. Im Torf findet die Zeit ihre Verstofflichung, wird sinnlich wahrnehmbar, sichtbar, – man möchte sagen „digitalisiert“, im eigentlichen Sinne, - nämlich haptisch greifbar. Die Veränderung, die Alterung, die alles Leben durch die Zeit erfährt, wird in seinem Werk zu einem Element der Gestaltung. Der Künstler bezeichnet nicht einfach die Zeit in seinen Arbeiten, er setzt ein eigenes Zeitzeichen. Form und Inhalt werden eins.«
E.P.

projekt/zeitgeschehen

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